Erziehungs- und Bildungswissenschaften



Forschungsinteressen

 

Die Forschung im Arbeitsbereich Medienpädagogik - Didaktik multimedialer Lernumgebungen basiert auf einem empirisch-pädagogischen Ansatz, der quantitative und qualitative Verfahren als notwendige Kombination im Sinne eines mixed methods Ansatzes versteht. Aspekte des Gender Mainstreaming werden dabei in allen Themen berücksichtigt. Die Forschungsbereiche können grob in drei Schwerpunktbereiche gegliedert werden.

 

 

A: E-Assessment

 

 

In diesem Bereich beschäftigen wir uns mit Fragen der technologiebasierten Umsetzung kompetenzdiagnostischer Verfahren sowohl mit klassischem E-Assessment als auch mittels alternativer Assessmentverfahren.

 

 

Forschungsprojekte in diesem Bereich sind vor allem das BMBF-Projekt "Workforce Literacy Devolepment" (Literalitätsentwicklung von Arbeitnehmer/innen lea.). Dabei geht es um eine technologiebasierte Kompetenzdiagnostik, die auf Basis der probabilistischen Testtheorie fusst. Eine besondere Problematik bei der Kompetenzdiagnostik funktionaler Analphabeten ist ihre niedrige Lesekompetenz, die bei computerbasierten Testverfahren teilweise schon das Lesen von Aufgabenbeschreibungen verhindert. Hier werden verschiede Verfahren der multimedialen Hilfsangebote systematisch entwickelt und bezüglich ihrere Effekte auf die Itemschwierigkeit untersucht. Aspekte der Förderdiagnostik werden in Form von automatisiert erstellten Diagnoseberichten und Verlaufsdarstellungen implementiert und in ihrer Wirkung untersucht.

 

 

Fragen alternativer und formativer Assessmentverfahren stehen im Mittelpunkt des Schulbegleitforschungsprojektes "e-portfolio an der Werkschule". In diesem Projekt werden Fragen der didaktischen und technischen Gestaltung von Lernjournalen mit Möglichkeiten der formativen Bewertung von Kompetenzen kombiniert.

 

Aktuell besteht eine Kooperation mit der Arbeitsgruppe Technology Based Assessment am DIPF.

 

Die umfangreichen Arbeiten im Themengebiet E-Assessment werden momentan für eine Monographie zum aktuellen Forschungsstand beim E-Assessment aufbereitet.

 

 

B: Didaktischer Einsatz und Gestaltung von internetbasierten Lernumgebungen (insbes. partizipativen / Web 2.0 Werkzeugen) in Bildungsprozessen

 

 

Diese Forschungslinie im Kontext eines sozialkonstruktivistischen Ansatzes wird seit den ersten Untersuchungen von Karsten D. Wolf zu internetbasierten Lernumgebungen im Jahr 1993 fortgeführt. Hierbei interessieren Implementation sowohl in der außerschulischen als auch der schulischen Bildung. Ebenfalls werden sowohl Aus- und Weiterbildungskontexte untersucht. Ein besonderer Fokus liegt hier im Vergleich formaler und informeller sowie institutionaler und de-institutionalisierter Bildungskontexte.

 

 

Ein zentrales Forschungsprojekt in diesem Bereich ist vor allem das BMBF-Projekt "draufhaber.tv", welches sowohl mediendidaktische als auch medienpädagogische Fragen umfasst. Das Projekt entwickelt eine Online-Video-Community für schulferne Jugendliche, in der sie handwerkliche Fähigkeiten in eigenen Portfolios dokumentieren können. Neben einfachen Performance-Videos soll die Möglichkeit bestehen, eigene Erklärvideos zusammenzustellen. Dabei ergibt sich ein vielfältiges Bündel von Forschungsfragen, z.B. nach der didaktischen Gestaltung und Lernwirksamkeit benutzergenerierter Videos, dem Aufbau und der Förderung von Online Communities, negativer Auswüchse (Cyberbullying) und deren Prävention sowie Möglichkeiten virtuellen Streetworkings und Coachings.

 

 

Karsten D. Wolf hat eine langjährige Erfahrung in der Gestaltung und Implementation von internetbasierten Lernumgbungen. Aktuell findet dazu das Projekt "Studieren im Mitmachnetz" statt, indem wir eine im Web 2.0-Setting gestaltete Lehrveranstaltung evaluieren. Dieses Projekt wird ergänzt um eine Veranstaltung "Lehren im Mitmachnetz", in dem wir Lehreraus- und -weiterbildung und dessen Transfer auf Unterrichtspraxis untersuchen wollen.

 

 

C: Prozessanalysen

 

 

Im Rahmen des DFG-SPP "Lehr-Lern-Prozesse in der kfm. Erstausbildung" hat Karsten D. Wolf sechs Jahre im Projekt "Selbstorganisierte Lernprozesse" mitgearbeitet. Dabei ging es um die Prozessmodellierung von Erlebensprozessen mittels zeitreihenanalytischer Verfahren. Diese forschungsmethodologische Fragestellung konnte an der Universität Bremen durch eine interne Forschungsförderung zusammen mit Tamás Nagy wieder aufgenommen werden.

 

Die Ziele dieses Forschungsbereiches sind der systematische Vergleich und die exemplarische Anwendung von modernen Verfahren der Zeitreihenanalyse (ZRA) sowie dynamischer Strukturgleichungsmodelle im Kontext der Lehr-Lern-Forschung zur Prozessdiagnostik, zur idiographischen Modellierung von Einzelfällen, zur Interventionsprüfung sowie der komparativen Kasuistik (Vergleich von Einzelfällen).

 

Dieser methodische Schwerpunkt soll der weiteren Vorbereitung von Untersuchungen von Unterrichtsprozessen sowie von medial gestützten Lern- und Arbeitsprozessen dienen.

 

Nachwachsende Forschungsthemen

 

 

Als nachwachsende Forschungsthemen ohne bisherige Drittmittelförderung sind folgende Themenbereiche zu nennen, die die bisherigen Bereiche ergänzen und ggf. auch neue "Standbeine" aufzubauen helfen können:

 

 

(1) Mediatisierung von Bildungsräumen: die verstärkte Mediatisierung wirkt sich in zunehmenden Maße auf Bildungsprozesse aus. Dabei sind sowohl akademische "High Performer" betroffen als auch Risikolerner. Hier bieten sich verschiedene empirische Zugänge an, die durch eine theoretische, geistes- und kulturwissenschaftliche wichtige Impulse erfährt, dem Diskurs zu postmodernen Curricula. Auch hier treten wieder Fragen der Kompetenzentwicklung sowie internetbasierter Lernumgebungen auf, so dass hier eine gute Verbindung zu den Themenbereichen A und B aufgebaut werden kann.

 

 

(2) Negative Aspekte von interaktiven Medien / Onlinemedien: obwohl interaktive Medien wie z.B. Computerspiele oder Onlinemedien vielfältige Bildungspotenziale aufweisen, gibt es auch negative Aspekte. Diese - wie z.B. Cyber-Bullying, Digitale Divide, Medienverwahrlosung oder exzessives Spielen und Spielsuchtverhalten - reflektieren und untersuchen wir seit mehreren Jahren in kleineren Projekten (z.B. World of Warcraft Spielsucht). .

 

 

Schulnahe Forschung

 

Im Kontext von drei Forschungsprojekten an Berufsschulen in Hessen und Bayern hat Karsten D. Wolf mit Kolleginnen und Kollegen unter Leitung von Prof. Dr. Detlef Sembill an der Max-Weber-Schule (Gießen) sowie der staatlichen Berufsschule III (Bamberg) Unterrichtsprojekte vorbereitet und diese bei der Erhebung per Video (jeweils 1 Schuljahr) begleitet. Des weiteren hat Karsten D. Wolf in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Detlef Sembill im Modellversuch Selbstorganisierte Lernprozesse und neue Lernwelten in der beruflichen Bildung (Hessen) gearbeitet.

 

Aktuell betreuen wir das zu gründende Netzwerk e-Portfolio in der Werkschule (Schulbegleitforschung Bremen).

Kontakt

Ansprechpartner: Prof. Dr. Karsten Wolf

 

Raum: GW2 A2130

 

Fon: 0421.218-69140

Fax: 0421.218-9869140

Email: wolf (at) uni-bremen.de