Erziehungs- und Bildungswissenschaften



Parallele Foren

Samstag, 20. April 2013 von 10:30 bis 13:00 Uhr

Migrationsgesellschaftliche Differenz- und Machtverhältnisse als Gegenstand der Hochschullehre

 

Visuelle Eindrücke zu den Foren

 

   

 

 

Podiumsgespräch mit den Leiterinnen und Leitern der Foren von 14:00 bis 15:30 Uhr, Moderation: Dr. Christoph Fantini (Universität Bremen) 

 

Manchmal nahm Nasrudin in seinem Boot Leute auf kleine Ausflüge mit. Eines Tages ließ ein pedantischer Schulmeister sich von ihm über den sehr breiten Fluß setzen. 

Kaum waren sie an Bord, da fragte der Schulmeister, ob die Überfahrt stürmisch sein werde.

"Frage mich nicht so welches", sagte Nasrudin.

"Hast Du nie Grammatik gelernt?"

"Nein", sagte der Mulla.

"Dann hast Du die Hälfte Deines Lebens vergeudet."

Der Mulla schwieg. 

Dann kam ein schwerer Sturm auf. Die närrische Nußschale des Mullas füllte sich mit Wasser. 

Er beugte sich zu seinem Fahrgast vor "Hast Du je schwimmen gelernt?"

"Nein", sagte der Pedant. 

"Dann, Schulmeister, ist dein ganzes Leben verloren, denn wir sinken."

 

Visuelle Eindrücke zum Podiumsgespräch

 

 

 

Forum 1: `Korrektes Deutsch` als Herrschaftsinstrument? Strategie zur Verschiebung von hegemonialen Sprachordnungen am Beispiel der Hochschullehre

Das Nachdenken über migrationsgesellschaftliche Macht- und Differenzverhältnisse nicht nur als Gegenstand der Hochschullehre zu konfigurieren, sondern diese Perspektive auch für eine Reflexion der eigenen Seminargestaltung zu nutzen, ist das Ziel dieses Workshops. Sagbarkeitsfelder - Sagbares und Nichtsagbares, legitimes und illegitimes Wissen und Arten der Wissensproduktion - sind in monolingual geordneten Bildungsinstitutionen von zwei Vorstellungen konturiert: a) nur auf Deutsch Artikuliertes ist sagbar – und b) nur korrekt auf Deutsch Artikuliertes ist sagbar. Wie kann in Seminaren so gearbeitet werden, dass die Konturen der Sagbarkeitsfelder aufgebrochen, verschoben und hinterfragt werden können? Im Workshop problematisieren wir ausgehend von Interviewmaterial die Vorstellung einer „native-speaker“-Norm des Deutschen sowie ihren Einsatz als Herrschaftstechnik und erkunden Strategien, wie das mehrsprachige Potenzial der Studierenden und Dozierenden genutzt werden kann.


Leitung: Prof. Dr. Inci Dirim und Magdalena Knappink (Universität Wien)

 

Forum 2: Metakommunikation im Kontext universitärer Lehre zur Reflexion migrationsgesellschaftlicher Differenz- und Machtverhältnisse

 

Wir wollen uns mit der Frage befassen, wie Bewertungs- und Zuschreibungs- bzw. Übertragungs- und Projektionsprozesse, die unmittelbar und aktuell in der Seminarsituation entstehen, wenn Aspekte migrationsgesellschaftlicher Differenz und Macht thematisiert werden, von der/dem Lehrenden wahr- und aufgenommen werden können, um sie in eine offene und gleichzeitig respektvolle Reflexion einfließen zu lassen - auch im Hinblick auf die Rolle der Studierenden als zukünftige Lehrende. Wir werden uns dieser Thematik mit einem filmischen Input und in Form von Kleingruppenarbeit annähern.


Leitung: Dr. Berrin Özlem Otyakmaz (Universität Duisburg-Essen)

 

Forum 3: Migrationsgesellschaftliche Professionalität durch Fallarbeit in der Lehramtsausbildung - Strukturen und Thematisierungsformen

In diesem Workshop soll an einer Verbindung des migrationsgesellschaftlichen Diskurses zu Differenz- und Machtverhältnissen (Mecheril u.a. 2010) mit dem Diskurs zur (schul-)pädagogischen Professionalität (Helsper u.a. 2007) in der Hochschullehre gearbeitet werden. Zu diesem Zweck wollen wir im Sinne einer praktischen Fallorientierung gemeinsam an qualitativ-empirischen Materialien aus der (hochschul-)pädagogischen Praxis zum einen diejenigen Dimensionen herauszuarbeiten suchen, die für eine (schul-)pädagogische Hochschullehre in der Migrationsgesellschaft kennzeichnend sind und zum anderen zu einer professionellen Reflexion befähigen können. Weiter wollen wir nach Bedingungen und Möglichkeiten von gelungenen didaktischen Formen migrationsgesellschaftlicher Themen fragen. Die Schule als zentraler Ort der gesellschaftlichen Legitimation und Konstruktion migrationsgesellschaftlicher Privilegien wird dabei einen entscheidenden strukturellen Rahmen bilden.

Leitung: Dr. Thomas Geier (Universität Halle-Wittenberg) und Magnus Frank (Universität Duisburg-Essen)

 

Forum 4: "Umgang mit Widersprüchen in der Nicht-Thematisierung von Differenz- und Machtverhältnissen in der Hochschule"

Auch wenn Differenz- und Machtverhältnisse an der Universität (in Oldenburg) zunehmend thematisiert werden, bietet der universitäre Alltag selten Gelegenheiten, die eigenen Erfahrungen sowie die eigene Beteiligung an der Reproduktion von Differenz- und Machtverhältnissen mit Lehrenden und Studierenden zu reflektieren. In diesem Workshop bieten wir einen Rahmen, in dem eine solche Reflexion als wichtige Grundlage für die (Weiter-)Entwicklung der eigenen pädagogischen Professionalität stattfinden kann. Wir - Lehrende der Universität Oldenburg aus schulischen und außerschulischen Arbeitsbereichen - bringen Erfahrungen und Beispiele ein, die sich auf universitäre Strukturen, inneruniversitäre Praxen und methodische Ansätze beziehen. Unser Ziel ist es, mit den am Workshop teilnehmenden Lehrenden, Studierenden und weiteren Interessierten sowohl über Erfahrungen ins Gespräch zu kommen, die ambivalent, widersprüchlich oder schwierig erlebt wurden als auch Ansätze, Konzepte und Methoden auszutauschen, die sich bei der kritischen Thematisierung der eigenen Involviertheit in Macht- und Differenzverhältnisse an der Hochschule bewährt haben.

Leitung: Prof. Dr. Rudolf Leiprecht, Bettina Schmidt, Anja Steinbach (Universität Oldenburg)

 

Forum 5: Interkulturelle Schulentwicklung - ein Lehr-Forschungsprojekt in der Lehrerbildung

Im Workshop wollen wir die Seminarkonzepte von Lehr-Forschungsseminaren, in denen ein Interkulturelles Schulentwicklungsprojekt begleitet wird, zur Diskussion stellen. Ein Ziel dieser Seminare besteht darin, dass Lehramtsstudierende schon im Studium ein Bewusstsein für die Möglichkeiten und Grenzen der individuellen pädagogischen Handlungsmöglichkeiten und die Potenziale kooperativer Entwicklungsarbeit in der Schule entwickeln. Aus der Perspektive der Interkulturellen Pädagogik soll deutlich werden, dass die Überwindung von Bildungsungleichheit eine Herausforderung in allen Handlungsfeldern der Schulentwicklung darstellt. Wir wollen mit den Teilnehmer_innen an Texten von Studierenden arbeiten, in denen Praxiserfahrungen und Beobachtungen, die die Studierenden in den Schulen machen, reflektiert werden und die Einblicke in Haltungen und Lernprozesse der Studierenden eröffnen.

Leitung: Prof. Dr. Sara Fürstenau und Katrin Huxel (Universität Münster)

 

Forum 6: Vielfalt im LehrerInnenzimmer – von biographischen Ressourcen zu professionellen Kompetenzen

Im Workshop soll eine Seminarkonzeption und -durchführung vorgestellt werden, die sich an Lehramtsstudierende mit Migrationshintergrund richtet und zum Ziel hat, dass sich die Studierenden mit der ihnen seitens der Bildungspolitik angedachten Rolle als Sprach- und KulturmittlerInnen auseinandersetzen. Anhand von Auszügen aus Gruppendiskussionen soll der Reflexionsprozess der Studierenden rekonstruiert werden.

Leitung: Prof. Dr. Drorit Lengyel (Universität Hamburg), Prof. Dr. Argyro Panagiotopoulou und Prof. Dr. Lisa Rosen (Universität zu Köln)

 

Forum 7: Interkulturelle Bildung und Mehrdimensionalität – Anknüpfung an Lebensrealitäten von Studierenden

Der Workshop widmet sich der Frage, welche (biographischen) Anknüpfungspunkte in der Lehre thematisiert werden können, die zu einer Reflexion über Zugehörigkeiten, Macht und Mehrdimensionalität anregen. Auf der Basis von handlungstheoretischen Überlegungen zu Reflexion als Lernmoment, sollen folgende Aspekte diskutiert werden: 1. Wie können unterschiedliche Lebensrealitäten in der Universität sichtbar werden, auch dann, wenn diese nicht den Lebensrealitäten der Studierenden entsprechen? 2. Welche Erfahrungen mit Selbstreflexion und Widerständen prägen den universitären Alltag? 3. In welcher Form kann Differenz mehrdimensional thematisiert werden?

Leitung: Prof. Dr. Anne-Christin Schondelmayer (Technische Universität Chemnitz)

 

Forum 8: Die (Un-)Möglichkeit reflektierter Praxis. Intersektionale und kasuistische Perspektiven auf die Vermittlung von Professionalität in der Migrationsgesellschaft

Im Forum werden Herausforderungen von Professionalität in der Hochschullehre, der Forschung und der pädagogischen Praxis sowie damit verbundene Ambivalenzen im (lehrenden und lernenden) Umgang mit Differenzen und Ungleichheiten in der Migrationsgesellschaft diskutiert. Dabei werden Intersektionalität und ein kasuistischer Zugang als Möglichkeiten der Reflexion vorgestellt und – auch hinsichtlich deren Verstrickungen und Ambivalenzen – erörtert.

Leitung: Prof. Dr. Merle Hummrich und Dr. Michael Meier (Universität Flensburg) und Prof. Dr. Christine Riegel (Pädagogische Hochschule Freiburg) 

 

 

Forum 9: Migrationshintergrund als „Risikofaktor“ am Übergang Schule-Beruf?
Im Workshop wird gefragt, wie die nachgewiesene Benachteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund beim Zugang zu beruflicher Bildung in der Lehrerbildung thematisiert und für migrationsgesellschaftliche Differenz- und Machtverhältnisse sensibilisiert werden kann, ohne junge Migrantinnen und Migranten als eine soziale Problemgruppe darzustellen. An empirischen Daten (Beobachtungen, Interviews, Gruppendiskussionen) werden mögliche Anforderungen an ein ‚Cultural Mainstreaming‘ am Übergang Schule-Beruf diskutiert.
Leitung: Prof. Dr. Marc Thielen (Universität Bremen)

 

 

Kontakt

Ansprechpartner: Dennis Barasi

 

Raum: GW2, A 1.240

 

Fon: 0421/ 218-69129

Email: barasi@uni-bremen.de

News

Alisha M.B. Heinemann, Yasemin Karakaşoğlu und Nadine Rose veranstalten die Ringveranstaltung "BILDUNG - MACHT - NEUE AUTORITÄT(EN) - Pädagogische Fragen einer gefährdeten Demokratie". Die Veranstaltung findet jeweils dienstags (16:00 - 18:00 Uhr) im GW2 Raum B 3.009 der Universität Bremen statt.

 

Im Rahmen der Reihe "Augsburger Universitätsreden" wurden im Band "20 Jahre Augsburger Wissenschaftspreis für interkulturelle Studien" die Dankesworte von Dennis Barasi im Rahmen der Preisverleihung veröffentlicht.

  

Die Ausstellung "Mutige Frauen: Universitäre Frauen- und Geschlechterstudien in der Türkei"  wird im Frühjahr in Istanbul und im Sommer in Bremen gezeigt.